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Herausgegeben von in Edeldruckverfahren ·
Edeldruckverfahren „Cyanotypie“

Die heutige Cyanotypie ist ein kostengünstiges fotografisches Druckverfahren, deren Charakter visuell mit alten fotografischen Aufnahmen konkurrieren kann und das ganze ohne Dunkelkammer und kostenintensives Equipment und Chemikalien. Grundsätzlich ist die typische Farbgebung Preußenblau (Berlinerblau) und kann durch Tee oder Kaffee und andere Zutaten bräunlich bis schwarz getont werden. Was das Tonen anbelangt, einfach experimentieren um andere Farbgebung herauszufinden und das Internet hält diverse Rezepte bereit.
Bei der Cyanotypie wird ein digitales Negativ im Direktkontakt auf ein chemisch beschichtetes Papier oder andere absorbierende Träger mittels Sonnenlicht oder UV-Strahlen (Gesichtsbräuner) ausbelichtet. Anschließend wird die überschüssige Chemie mit Wasser ausgewaschen (entwickelt) und fertig ist die Cyanotopie. Aber es gibt noch einige Möglichkeiten, den Prozess zu erweitern, um weitere Ergebnisse zu erzielen.  


Was wir brauchen!

Vieles findet sich im Haushalt, aber einiges, wie z.B. die Chemikalien, muss angeschafft werden und ist über das Web oder über die Apotheke erhältlich.


Chemikalien

        Ammoniumeisen-III-citrat (grün), Lösung A
        Kaliumhexacyanoferrat III (rotes Blutlaugensalz), Lösung B
         Wasserstoffperoxyd (beschleunigt die Oxidation)
         destilliertes Wasser (zum Ansetzen der Lösung A & B)
         Zitronensäure (leicht saures Wasser als Entwickler)
         ggf. Natriumcarbonat (Bleichmittel zum Tonen)
⑦          Tee, Kaffee usw. (Farbe zum Tonen)
⑧          Transparentfolien für den Tintenstrahldrucker
⑨          Leitungswasser (zum Auswaschen der Chemikalien)


Weitere Utensilien

Feinwaage / 1 g Genauigkeit
Fünf Fotoschalen für saures Wasser (Entwickler), zum Wässern, Oxidationslösung,         Bleichlösung, tonen (einfache Kunststoffschalen sind günstiger und reicht vollkom-         men aus)
Zwei Weithalsflaschen braun, 30 ml (für Lösung A & B)
Drei Einwegspritzen, 24 ml (für destilliertes Wasser, Lösung A, Lösung B)
Eine Petrischale (Lösung A & B wird im gleichen Verhältnis gemischt)
Schwammpinsel, Pinsel ohne Metallfassung, Schwamm
Kunststofflöffel
Klippbilderrahmen (kein eloxiertes Glas)
Gesichtsbräuner
Einweghanschuhe, Schutzbrille, ggf. Staubschutzmaske

Achtung! Bei dem Umgang mit Chemikalien sind die jeweiligen Sicherheitshinweise und Datenblätter zu beachten, um uns und die Umwelt zu schützen.


Ein digitales Negativ erstellen

Dass für die Erstellung eines Negatives ein Computer, Drucker und ein entsprechendes Bildbearbeitungsprogramm zur Verfügung stehen ist Grundvoraussetzung.
Für einen erfolgreichen Druck im Direktverfahren ist ein kontrastreiches Bild auszuwählen und in ein 16-Bit-Graustufenbild umzuwandeln.  Als nächstes wird das Bild dem persönlichen Geschmack angepasst wie z.B. Kontrastanhebung, Bildschärfung und gewünschte Endgröße für das Kontaktverfahren.  Die erforderliche Druckauflösung sollte mindestens 300 dpi betragen.
Unter Photoshop wird das Bild mit der Tastenkombination Strg + i in ein Negativ umgewandelt und horizontal gespiegelt (Bild – Bilddrehung – Arbeitsfläche horizontal spiegeln). Die Spiegelung ist erforderlich, weil wir im Kontaktverfahren die Druckerfarbe des Negatives auf die Emulsionslösung des Papieres legen müssen. Um sicher zu stellen, dass das Bild bei der Cyanotypie nicht absäuft, empfehle ich die Verwendung des Skriptes „ChartThrob“ um für das Bild eine optimale Gradationskurve erstellen zu können. Anschließend wird das Foto auf einer geeigneten Transparenfolie (z.B. für Overheadprojektoren) ausgedruckt.


Das Papier

Das zu verwendende Papier muss wegen der Emulsionslösung und der ausreichenden Wässerung (Entwicklung) schon einiges aushalten können und sollte mindestens ein Gewicht von 200 – 300 g/m² aufweisen. Gebleichtes und gepuffertes Papier ist wegen der enthaltenen chemischen Stoffe nicht zu empfehlen, da diese mit unserer Lösung reagieren können. Am besten entscheidet man sich für Aquarellpapiere aus 100 % Baumwolle.

  

Chemikalien ansetzen

Um lichtempfindliches Papier herzustellen zu können, müssen wir zwei Chemikalien ansetzen (Lösung A / Ammoniumeisen-III-Citrat, grün) & Lösung B / Kaliumhexacyanoferrat III), die kurz vor der Beschichtung des Papieres in der Petrischale gemischt werden. Ich stelle nur ganz wenig Lösungen her und produziere nicht auf Vorrat, da diese sehr schnell und einfach anzusetzen sind. Des Weiteren ist die gemischte Lösung A/B nicht lange haltbar. Sollte auf Vorrat produziert werden, so ist eine dritte Weithalsflasche (braun) zur Aufbewahrung der gemischten Lösung (A/B) erforderlich.


Lösung A
besteht aus 25%igen Ammoniumeisen-III-Citrat, grün und destilliertes Wasser:



25 g Ammoniumeisen-III-Citrat, grün mit 100 ml Wasser mischen oder
2,5 g Ammoniumeisen-III-Citrat, grün mit 10 ml Wasser mischen




Lösung B
besteht aus 8%igen Kaliumhexacyanoferrat und destilliertes Wasser:



8 g Kaliumhexacyanoferrat mit 100 ml Wasser mischen oder
0,8 g Kaliumhexacyanoferrat mit 10 ml Wasser mischen





Als erstes beschriften wir die Utensilien (Weithalsflaschen, Einwegspritzen, Kunststofflöffel) jeweils mit A & B. Dies ist erforderlich, damit wir die anhaftenden Chemikalien nicht gegenseitig verschleppen.

Für die Lösung A legen wir ein kleines gefaltetes Blatt auf die Feinwaage und tarieren diese auf 0 g. Dann wiegen wir 2,5 g Ammoniumeisen-III-Citrat ab und streuen das Ammoniumeisen-III-Citrat mit Hilfe des Papieres in die Weithalsflasche (A). Mit der Einwegspritze (A) messen wir 10 ml destilliertes Wasser ab und spritzen es vorsichtig in die Weithalsflasche (A) und verschließen diese, bevor wir die Flasche schütteln, damit sich die Zutaten vermischen. Die Lösung kann an einem dunklen Ort aufbewahrt werden, hat aber die Eigenschaft zur Schimmelbildung.  




Bei der Lösung B wird ebenso verfahren, außer dass wir 0,8 g Kaliumhexacyanoferrat mit 10 ml Wasser mischen. Auch diese Lösung sollte an einem dunklen Ort aufbewahrt werden.






Kurz bevor ich das Papier beschichten möchte, mische ich die Lösung A & B (jeweils 5 ml A & B reichen für ca. 3 - 4 DIN A 4 Bögen) in einer Petrischale und schwenke sie vorsichtig. Erst jetzt ist die Lösung lichtempfindlich und die Räumlichkeit sollte möglichst abgedunkelt sein.
Die Petrischale ist groß genug um mit dem Pinsel bequem und kontrolliert die Lösung aufzunehmen, ohne zu viel auf dem Papier aufzutragen. Pfützenbildungen sind tunlichst zu vermeiden, denn viel hilft nicht viel!






Beschichtung und Belichtungszeit

Die Beschichtung mit der lichtempfindlichen Lösung kann ganzflächig erfolgen oder wir schaffen ein Unikat, indem eine kreative lichtempfindliche Fläche erstellt wird. Das Auftragen der Lösung erfolgt mit einem Pinsel ohne Metallfassung  oder einen Schwamm.




Die Lösung muss einige Zeit trocknen, um in das Papier eindringen zu können. Wir können mit einem Föhn aber ein wenig nachhelfen.
Das beschichtete Papier muss sich trocken anfühlen (mit dem Handrücken über das Papier fahren), bevor wir unser Negativ auflegen und entsprechend ausrichten können. Papier und Negativ werden in einen Klippbilderrahmen gelegt und in der Sonne bzw. per Gesichtsbräuner belichtet. Belichtungszeiten liegen bei meinem Gesichtsbräuner bei ca. 3 – 10 Minuten. Hier spielen aber noch andere Faktoren eine Rolle, wie z.B. die Dichte des Negatives, UV-Lichtquelle und der Abstand zwischen Papier und Lichtquelle. Auch das ausgewählte Papier und die Zusammensetzung der Lösung beeinflussen die Belichtungszeiten wesentlich.




Um nun herauszufinden, wie lange das Papier belichtet werden muss bis ein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht wird, komme ich auf das oben genannte Script „ChartThrob“ zurück. Ich generiere mit dem Tool 6 Graukeile und erstelle eine Belichtungsreihe von 2,5 – 4,5 Minuten, die ich auf einer transparenten Folie ausdrucke. Das heißt, dass ich fünf der Graukeile 0,5 Minuten länger belichte. Nach dem Entwickeln und der Trocknungszeit kann festgestellt werden, bei welcher Belichtungszeit die 255 Graustufen von weiß bis schwarz des jeweiligen Graukeils am besten dargestellt werden. Gehen wir davon aus, dass z.B. eine Belichtungszeit von 3,5 Minuten das beste Ergebnis erzielt hat, wird dieser Graukeil entweder mit einem Scanner oder durch das Abfotografieren digitalisiert. Über das entsprechende Bildbearbeitungsprogramm wird die digitalisierte Datei aufgerufen ohne Veränderungen vorzunehmen. Bei abfotografierten Graukeilen wird lediglich der Weißabgleich des Papieres angepasst. Das Script „ChartThrob“ wird aufgerufen und analysiert den Graukeil und erstellt eine optimale Gradationskurve für unsere Cyanotypie. Wenn alle Parameter unverändert bleiben, so kann die generierte Gradationskurve immer wieder angewendet werden.



Belichtungsreihe Negativ                                       Belichtungsreihe entwickelt        



Graukeil für die Analyse                                                                       Optimale Gradationskurve



Entwickeln und Tonen

Das ausbelichtete Bild wird in leicht saurem Wasser (10 g Zitronensäure auf 2 l Wasser) ca. 1 Minute entwickelt. Danach sofort ausreichend wässern bis weiße Papierflächen wieder zum Vorschein kommen und gelbgrüne bis graue Chemikalienrückstände nicht mehr sichtbar sind. Mit der Zeit entwickelt man das richtige Gespür für die ausreichende Entwicklung und Wässerung. Jetzt muss das Bild nur noch trocknen.
Das brillante Blau entwickelt sich durch den Oxidationsprozess der Eisencitrate während der Trocknung. Wer nicht abwarten kann, der kann den Prozess in einem Wasserbad in Wasserstoffperoxid (3,0%) beschleunigen. Für einen Ansatz einer 0,3%igen Lösung werden 100 ml Wasserstoffperoxyd mit 1 l Wasser gemischt. Das Bild sollte nicht länger als 1 Minute im Beschleunigungsbad verbleiben und auch hier wieder ausreichend wässern, damit alle Chemikalienreste aus dem Papier geschwemmt werden.
 
 
Eine andere Farbgebung ist durch Tonen auch möglich, indem das Bild in einer Natriumcarbonatlösung (30 g auf 2 l Wasser) gebleicht wird. Die blaue Farbe, die an dem Eisencitrat anhaftet, wird ausgewaschen und das Bild verschwindet allmählich bis das Papier keine Zeichnungen mehr zeigt (so lange muss natürlich nicht gebleicht werden). Nach dem Bleichen wird ausreichend gewässert, um die Lösung aus dem Papier zu waschen. Danach, z.B. in Tee oder Kaffee, je nach Belieben und persönlichem Geschmack, tonen. Die Farbpigmente haften sich an die Eisencitrate an und langsam erscheint das Bild wieder.
 
Auch nach dem Tonen wird ausreichend gewässert und das Bild kann getrocknet werden.
 
Hört sich alles ein wenig aufwendig an, ist es aber nicht und der Spaßfaktor ist riesengroß und nun viel Spaß beim Entdecken!










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